Veröffentlicht:23. März 2019

Autor:Dorian Schneider

Kategorie:Allgemeine Gedanken zur Zauberei, Zauberei in Berlin


Meine Video-Favoriten

Zauberer lieben es, sich die Arbeit und die Auftritte von Kollegen anzusehen. In diesem Beitrag möchte ich zwei Videos teilen, die mich aus unterschiedlichen Gründen bewegt und geprägt haben und mit einigen Worten darauf eingehen, was die verstecke Nachricht hinter diesen Videos ist (abgesehen davon, dass sie unterhaltsam sind).


Der Umgang mit Fehlern


Den Anfang macht David Williamson mit seinem TV Auftritt aus dem Jahr 1991, der nicht ganz verlief, wie geplant:



Die Szene verdeutlicht zwei Dinge auf amüsante Weise: Es gehört zum Zauberalltag, dass Kunststücke schief gehen. Egal wieviel man übt, probt, wiederholt und korrigiert, die Beteiligung der Zuschauer ist Grundzutat der Zauberei und damit ist jede Vorführung neu und einzigartig. Unterschiedlichste Zuschauercharaktere und stets wechselnde Auftrittsumgebungen öffnen unbekannte Türchen für Entlarvung. Wenn Murray nur wenige Zentimeter größer gewesen wäre, wäre ihm das Trickgeheimnis sicher nie aufgefallen.


Die zweite wichtige Nachricht des Videos ist, dass Profi-Zauberer Fehler zu ihrem Vorteil nutzen können.  David Williamson formte aus einer scheinbaren Blamage einen großartigen, humoristischen Moment. Die Zuschauer hätten nicht besser unterhalten sein können und der kleine Murray wurde zum Star des Abends. Auch in meinen Auftritten als Zauberer in Berlin muss ich Fehler überspielen oder als vermeintlich geplante Momente inszenieren. Natürlich hilft mir dabei, dass meine Zuschauer nicht wissen wie das Kunststück im Normalfall verläuft.  Das Besondere an diesen Ausnahmemomenten ist, dass sie große Chancen bergen. Durch den Bruch und den unerwarteten Verlauf, wirkt die Präsentation meist noch unterhaltsamer und authentischer und die Pointe des Kunststück gewinnt an Dramatik und Zauberkraft.


Ablenkung durch Hand und Wort


Das zweite Video dieses Beitrags zeigt Apollo Robins bei einem TED Beitrag, in dem er auf meisterliche Weise demonstriert, wie sich Geist und Auge durch Kombination aus Wort und Hand aus der Bahn werfen lassen:



Wieder sind es zwei Punkte in dem Video, die meine Arbeit als Zauberkünstler prägten. Zum einen wird deutlich, dass die stärksten magischen Momente direkt in den Händen der Zuschauer geschehen. Das ist der Grund, warum ich die Close-up Zauberei so sehr liebe: kleine aber nahe Wunder, deren Wirkung den Wow-Effekt eines erscheinenden Hubschraubers schnell übertreffen können.


Zum anderen ist das Video ein Lehrstück der physischen und psychischen Ablenkung. Die Hand des Zauberers täuscht das Auge, aber es ist die Zunge, die den Geist überlistet. Was ich damit deutlich machen möchte ist, dass uns Zauberkünstlern oft nachgesagt wird, unsere Finger seien schnell. Das stimmt unbedingt, allerdings ist es die Kombination aus Geschicklichkeit und Präsentation – vor allem verbaler psychologischer Ablenkung – die einen Trick zu einem Wunder wachsen lassen. Und anders als die Bewegung der Hand, lässt sich verbale Ablenkung nicht daheim auf dem Sofa üben. Sie muss live im Umgang mit echten Zuschauern erlernt werden. Und da beißt sich die Katze in den Schwanz und ich schließe meinen heutigen Beitrag: Neue Fähigkeiten kommen zu Beginn mit Fehlern einher. Zudem ist der gekonnte Umgang mit Fehlern eine Disziplin, die man nur durch jahrelange praktische Erfahrung meistert und damit gilt, dass jeder frische Trickser nur durch viele unangenehme Momente im direkten Umgang mit seinem Publikum zu einem Zauberkünstler wachsen kann…


Ich wünsche Ihnen einen zauberhaften Frühlingsbeginn 2019 und verbleibe mit den besten Grüßen

Ihr Zauberer aus Berlin

Dorian Schneider